Neubau Büro- und Wohngebäude in Marbach am Neckar
Weiterwachsen: Wohnen und Arbeiten am Neckar
Die Spedition EgeTrans erweitert ihren Hauptsitz in Marbach am Neckar um zwei neue Gebäude und entwickelt den bestehenden Unternehmensstandort damit konsequent weiter. Neben zusätzlichen Büro- und Arbeitsflächen entstehen 20 Wohnungen, ein Firmenbistro, eine Akademie sowie gemeinschaftlich genutzte Bereiche.
Ein durchgehendes Sockelgeschoss verbindet die beiden Neubauten und führt die unterschiedlichen Nutzungen – Wohnen und Arbeiten – räumlich zusammen. So entsteht ein zusammenhängendes Ensemble, das den bestehenden Firmensitz ergänzt und langfristig auf das weitere Wachstum des Unternehmens ausgerichtet ist.
Projektfakten
Bauherr
EgeTrans Internationale Spedition GmbH
Adresse
Ludwigsburger Straße 72–74, 71672 Marbach am Neckar
Fertigstellung
2026
Leistungsumfang
LPH 01 – 09

Eine besondere Bedeutung erhält das Projekt für uns durch die Kontinuität in der Planung: Das ursprüngliche Planungsteam des ersten Bauabschnitts, heute Teil der SCHATZ-Gruppe, wurde erneut mit der Weiterentwicklung des EgeTrans-Firmensitzes beauftragt.
Aufgabenstellung
Einen gewachsenen Unternehmensstandort weiterentwickeln
Erweiterung des bestehenden Firmensitzes um zusätzliche Büroflächen für rund 120 bis 130 Arbeitsplätze
Verbindung von Arbeiten, Wohnen, Lernen und gemeinschaftlicher Nutzung innerhalb eines zusammenhängenden Ensembles
Integration eines Firmenbistros zur Erweiterung der Aufenthaltszone der Mietwohnungen, einer Akademie und 20 Mitarbeiterwohnungen
Entwicklung einer gemeinsamen architektonischen Identität für unterschiedliche Baukörper, Nutzungen und Fassadencharaktere
Errichtung von ca. 200 ober- und unterirdischen Stellplätzen

Konzept
Architektonischer Ansatz
Ein Ensemble als architektonischer Dreiklang
Bei der Entwicklung des Projekts stand früh die Frage im Raum, wie mehrere Baukörper mit unterschiedlichen Nutzungen und Formen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern als zusammenhängendes Ensemble im Bezug zum solitären und ausdrucksstarken Bestandsbau wahrgenommen werden können.
Der Entwurf folgt deshalb dem Gedanken eines architektonischen Dreiklangs. Die einzelnen Gebäude erhalten jeweils einen eigenen Charakter, werden jedoch über eine gemeinsame Materialität miteinander verbunden, wobei die Formsprache sich in Art und Funktion unterscheidet. So entsteht eine klare gestalterische Verwandtschaft, ohne dass die einzelnen Baukörper ihre Eigenständigkeit verlieren.
Der bestehende Gewerbebau aus dem ersten Bauabschnitt bildet den ruhigen Grundton des Ensembles. Der neue achtgeschossige Wohnturm setzt durch seine Höhe und seine plastisch ausgebildete Fassade einen deutlichen vertikalen Akzent. Dazwischen vermittelt der kubische, gewerblich genutzte Baukörper mit seiner charakteristischen Lamellenfassade. Er wird zum verbindenden Intervall zwischen Bestand, Wohnen und Arbeiten.
Die gemeinsame Basis bildet ein durchgehendes Sockelgeschoss, das beide Neubauten miteinander verbindet. Hier befinden sich das zentrale Foyer und die gemeinschaftlich genutzten Räume. Das Sockelgeschoss führt die unterschiedlichen Nutzungen nicht nur funktional, sondern auch räumlich und gestalterisch zusammen.
Ziel des Entwurfs ist es, Einheit und Differenz gleichzeitig herzustellen: Ein gemeinsames Ensemble mit klarer architektonischer Verwandtschaft, aber unterschiedlichen Fassadencharakteren und eigenständigen Gebäudeidentitäten.
Herausforderung
Unterschiedliche Nutzungen zu einem gemeinsamen Ganzen verbinden
Die zentrale Herausforderung bestand darin, einen bereits etablierten und architektonisch eigenständigen Firmensitz weiterzuentwickeln. Der zweite Bauabschnitt soll als neuer Teil des Standorts erkennbar sein und gleichzeitig selbstverständlich an den bestehenden Bürokomplex anknüpfen.
Eine weitere wesentliche Aufgabe war die Einbettung des umfangreichen Raumprogramms auf dem engen Grundstück. Der Neckar und die Landstraße bilden dabei eine natürliche Begrenzung und schränken die zur Verfügung stehenden Flächen zusätzlich ein. Die Anordnung auf dem Grundstück, die Erschließung, Baustellenlogistik sowie die Herstellung der zweigeschossigen Tiefgarage mussten deshalb exakt auf die begrenzten Platzverhältnisse und die unmittelbare Lage am Wasser abgestimmt werden.
Gestalterische Verbindung des bestehenden Bürogebäudes mit den beiden Neubauten
Umbau der Eichgrabenverdolung zur Verbindung der Tiefgaragen
Räumliche Zusammenführung von Wohnen, Arbeiten, Lernen und gemeinschaftlicher Nutzung
Entwicklung eigenständiger Fassaden für Bürogebäude und Wohnturm innerhalb einer gemeinsamen Gesamtidee
Integration eines anspruchsvollen Energie-, Heizungs-, Kühlungs- und Wassernutzungskonzepts
Umsetzung & Lösung
Kontinuität und Weiterentwicklung
Die Lösung basiert auf dem bewussten Zusammenspiel von Kontinuität und Eigenständigkeit. Der bestehende Firmensitz wird nicht einfach um zusätzliche Flächen ergänzt. Vielmehr entsteht eine bauliche Weiterentwicklung, die auf die vorhandene Architektur reagiert und gleichzeitig eine neue Identität für den zweiten Bauabschnitt schafft.
Das durchgehende Sockelgeschoss verbindet den achtgeschossigen Wohnturm mit dem kubischen Bürogebäude. Es bildet die gemeinsame Basis des Ensembles, organisiert die zentralen Zugänge und nimmt das Foyer sowie die gemeinschaftlich genutzten Räume auf. Dadurch werden die beiden Neubauten trotz ihrer unterschiedlichen Höhen, Nutzungen und Fassadenausbildungen als zusammengehörige Einheit wahrgenommen.
Der kubische Baukörper ist für die gewerbliche Nutzung vorgesehen. Er bietet Raum für rund 120 bis 130 Büroarbeitsplätze, ein Firmenbistro mit 67 Sitzplätzen sowie die Akademie mit 20 Schulungsplätzen. Offene und flexibel nutzbare Arbeitsbereiche führen dabei das moderne Bürokonzept des ersten Bauabschnitts fort.
Den städtebaulichen Abschluss des Ensembles bildet der achtgeschossige Wohnturm mit insgesamt 20 Wohneinheiten. Die überwiegend als Ein- und Zweiraumwohnungen geplanten Einheiten ergänzen den Firmensitz um ein wohnwirtschaftliches Angebot und stärken die Verbindung zwischen Wohnen und Arbeiten.
Auch die Fassadengestaltung übersetzt die unterschiedlichen Nutzungen in jeweils eigenständige architektonische Ausdrucksformen.
Das Bürogebäude erhält eine anthrazitfarbene, vorgehängte hinterlüftete Aluminiumfassade. Eine vorgelagerte, in sich verdrehte Lamellenstruktur verleiht dem kubischen Baukörper zusätzliche Tiefe und Dynamik. Je nach Blickwinkel verändert sich die Wirkung der Fassade: Frontal erscheint sie ruhig und klar gegliedert, aus seitlicher Perspektive oder aus der Bewegung heraus wirkt sie zunehmend lebendig und transparent.
Der Wohnturm wird dagegen durch eine weiße Frame-Fassade geprägt. Die rahmenartigen Fassadenelemente gliedern den hohen Baukörper, schaffen Plastizität und verleihen ihm eine eigenständige, klar ablesbare Wohnadresse.
Auf diese Weise entstehen unterschiedliche Fassadencharaktere, die jeweils auf Nutzung und Gebäudeform reagieren und dennoch als Bestandteile eines gemeinsamen Ensembles wahrgenommen werden.
© lukas breusch photographyNachhaltigkeit & Technik
Nachhaltig gedacht – im Betrieb effizient umgesetzt.
Die beiden Neubauten werden mit einem umfassenden Energie- und Nachhaltigkeitskonzept geplant. Ziel ist es, den Energiebedarf zu reduzieren, erneuerbare Energien möglichst umfassend zu nutzen und natürliche Ressourcen langfristig zu schonen.
Das Bürogebäude wird als Effizienzhaus 40 EE errichtet. Dieser Standard verbindet eine besonders energieeffiziente Gebäudehülle mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien an der Wärme- und Kälteversorgung.
Für die Heizung und Kühlung der Neubauten werden unter anderem 93 Erdwärmesonden eingesetzt. Die Sonden werden jeweils rund 25 Meter tief in den Boden eingebracht und erschließen die oberflächennahe Geothermie als regenerative Energiequelle. Die im Erdreich gespeicherte Energie kann sowohl für die Beheizung im Winter als auch für die Kühlung der Gebäude im Sommer genutzt werden.
Die Dachflächen der Neubauten werden großflächig mit Photovoltaikmodulen belegt. Der vor Ort erzeugte Strom unterstützt den Gebäudebetrieb und reduziert den Bezug von Energie aus externen Quellen.
Ergänzend wird ein Zisternensystem vorgesehen. Das gesammelte Regenwasser wird als Betriebswasser für die Toilettenspülung sowie zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt. Dadurch lässt sich der Verbrauch von Trinkwasser im laufenden Gebäudebetrieb deutlich reduzieren.
Auch die Nutzungsmischung leistet einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Büroflächen, Akademie, Bistro, Wohnungen und Gemeinschaftsbereiche werden an einem Standort gebündelt. Die integrierten Wohnungen ermöglichen kurze Wege zwischen Wohnen und Arbeiten, während die flexibel nutzbaren Raumstrukturen eine langfristige Anpassungsfähigkeit der Gebäude unterstützen.
In der zweigeschossigen Tiefgarage entstehen insgesamt 176 Stellplätze. Weitere Parkmöglichkeiten werden in den Außenanlagen angeordnet. Durch die Bündelung eines Großteils des ruhenden Verkehrs unterhalb der Gebäude können die oberirdischen Freiflächen geordnet gestaltet und als qualitätsvolle Aufenthalts- und Grünbereiche weiterentwickelt werden.










